Der Zunftbrief der Gartnernzunft wurde höchst wahrscheinlich um das Jahr 1264/5
von Bischof Heinrich von Neuenburg ausgestellt. Allerdings dürfen wir annehmen,
dass zunftähnliche Zusammenschlüsse von Gewerben und Handwerken in Basel schon
früher bestanden. So lesen wir für das Jahr 1248, dass die Stadtgemeinde und
die Bürger damals schon in „coartifices“ aufgeteilt gewesen seien.
Der Gartnern Zunfbrief ist in doppeltem Sinne einmalig. Zum einen ist mit ihm
erstmalig ein Zunftbrief in deutscher Sprache verfasst und zum andern handelt
es sich bei den Gartnern, Obzern und Menkellern (Gremper) vorerst nicht um eigentliche Handwerke sondern um Verkaufsberufe.
Mit dem Wandel der Wirtschaft änderte sich auch in unserer Zunft das Bild der
Berufe und neue Berufe kamen dazu.
Bis zum Konzil (1431) waren es neu die Seiler, die Oeler, die Köche und Wirte sowie die Bräter (Wursthersteller). Die Gartner betreuten nicht nur Kraut- sondern neu auch den Obstanbau und –verkauf. Dazu verfertigten sie hauptsächlich in der Winterpause Holzrechen (Rechenmacher), Holzgabeln (Gabelmacher) und Körbe (Korbmacher), vermutlich ein Relikt des ursprünglich bischöflichen Besenamtes.
Und die Gremper erweiterten ihr Sortiment für den Tagesbedarf um Glaswaren, Kerzen, Unschlitt
für Lampen, Kornseiler, Salz und kleine Mengen von Gewürzen.
Bis zum Messeprivileg 1471 erscheinen neu die Pastetenbäcker und Lebkücher, die Havermelver (Hafergrütze), die Griesser (Verkauf von Produkten der Getreidemüllerei) sowie die Stämpfer.
Nach 1471, mit dem Aufkommen der Transithandelsgesellschaften stiessen auch die
Berufe des Transportgewerbes dazu, die Fuhrleute und Karrer, die Karrensalber und die Postillione. Und endlich im 17. Jh. eigneten sich die Pastetenbäcker auch die Zuckerbäckerei an.
Diese grosse Berufspalette umfasste also Gewerbe der Urproduktion und der Aufbereitung ihrer Produkte in unterschiedlichsten Formen sowie Berufe des Gastgewerbes und des Transportgewerbes. Die Seiler waren dabei einzig Handwerker im ursprünglichen Sinne.
Schon 1509 öffnete sich unsere Zunft und nahm ab diesem Jahre Leute auch aus
anderen Berufszweigen auf. So wurde ebenfalls Oekolampad als reformierter Pfarrer
1530 zünftig zu Gartnern.
Bis 1798 waren die Zünfte in Basel Träger der städtischen Verfassung und des
städtischen Lebens in religiöser, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht.
Für den Erhalt dieser, ihrer Privilegien kämpften sie auch noch im 19. Jh. Allerdings
setzte sich trotz ihres Widerstandes zwischen 1848 und 1875 die Handels- und Gewerbefreiheit
sukzessive durch. Aber noch heute sind die Zünfte und Gesellschaften der Stadt
Basel Korporationen des öffentlichen Rechtes und unterstehen der Aufsicht des
Bürgerrates.
Als Zeugen des wirtschaftlichen und politischen Werdens unserer Stadt sind sie
weiterhin in gut baslerischer Art aktiv. Sie pflegen gute, überkommene Traditionen
und einen wachen Bürgersinn. Sie fördern alles, was unserer Stadt eine gute Zukunft
bringt – jeder Zunftbruder in seinen Bereichen und mit seinen Kräften, wie auch
die Zunft als Ganzes. Und soweit sie dazu imstande ist, übernimmt sie Funktionen,
die der Staat nicht bewältigen kann (z. B. Jungbürgerfeier u.a.) zum Wohle und
Gedeihen unserer Vaterstadt Basel.
Dass dabei die Geselligkeit auch nicht zu kurz kommt, dafür sorgen unterschiedlichste
Veranstaltungen. Etwas Besonderes ist das „Määli auf den Franciscj Tag“, das auf
Legate von Oberstzunftmeister und Bürgermeister Franz Robert Brunschweiler (1690)
und seiner Frau Esther Hummel (1703/11) zurückgeht.
Noch heute vereinigen sich am Tage des Franziskus die Vorgesetzten und Alt-Vorgesetzten
unserer Zunft zusammen mit geladenen Gästen aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik zu einem solennen und traditionellen Essen, eben dem Franzisken –
Määli.